Inhalt
- Seinen eigenen Stand kennen
- Wenn’s mal läuft…
- Bitte, wie schwer kann das wohl sein?
- Hochmut kommt vor dem Fall
- Ein Schritt nach dem anderen
- Und jetzt?
Seinen eigenen Stand kennen
Es ist gut seinen eigenen Stand zu kennen um darauf aufbauen zu können. Ich musste meine Lektion allerdings erst lernen. Gleich der erste Abschlag auf dem öffentlichen Kurzplatz hatte es in sich. Während ich mich unter Beobachtung anderer Golfer wähnte, schlug ich wie ferngesteuert ein handtellergroßes Schnitzel aus dem gepflegten Rasen der Abschlagfläche.
Doch wirklich registriert hat das niemand. Die bohrenden Blicke der anderen Golfer gab es nur in meiner Einbildung. Mein vermeintliches Publikum war zu sehr in die eigene Unterhaltung vertieft, als dass sie sich für mein Spiel interessiert hätten. Und selbst meine beiden Mitspieler bestätigten mir: Beim Abschlag kann auch schon mal etwas Gras dabei sein.
Wenn’s mal läuft…
Und so schlecht, wie zuerst befürchtet, war mein Abschlag gar nicht. Ich beendete Loch 1 mit zwei Schlägen über Par nachdem ich mit dem zweiten Pitch das Green erreichte.
Eine solide Leistung für einen Anfänger dachte ich bei mir, als wir auf dem Weg zum nächsten Loch waren. Auf einem Double Bogey lässt sich aufbauen und ein gesundes Selbstbewusstsein für die kommenden acht Löcher entwickeln.
Meine Glückssträhne setzte sich nahtlos auf der nächsten Bahn fort. Ganz ohne Kollateralschäden spielte ich meinen Golfball vom Tee direkt in die Nähe der über 70 Meter entfernten Fahne. Dann noch ein Bilderbuch-Pitch mit dem Sandwedge aufs Green und schließlich zwei lässige Versuche für den Putt. Einwandfrei.
Bitte, wie schwer kann das wohl sein?
Erst zwei Schläge über Par, jetzt nur noch einer? Das roch doch verdächtig nach Naturtalent. Nach einem Golfgenie, wie er im Buche steht. Wenn das so weitergehen würde, stünde mir ein epischer Tag bevor. Am ersten Tag ein Hole-in-One? Das hätte was. Das wäre eine einmalige Geschichte, die ich noch meinen Urenkeln erzählen würde.
Ich hatte richtig Lust auf Golf und nach dem katastrophalen ersten Abschlag erschien mir plötzlich alles möglich. Was bitte sollte denn so schwer am Golfspielen sein? Meine Hochs und Tiefs beim Training auf der Driving Range und dem Putting Green, meine ganzen Unsicherheiten zuvor waren wie weggeblasen und ich fühlte mich großartig. Und das obwohl ich eigentlich noch gar nichts gewonnen hatte.
Hochmut kommt vor dem Fall
Eigentlich hätte mir gleich klar sein sollen, dass ich bis zu einem gewissen Zeitpunkt einfach nur unerhörtes Glück hatte. Nach einer Handvoll ordentlicher Schläge wurde ich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Das Glück war aufgebraucht. Ich spielte zunehmend wie – ja, ich sage es wie es ist – wie ein blutiger Anfänger.
Nur die wenigsten meiner Schläge gingen auch tatsächlich dorthin, wo ich sie haben wollte. Offensichtlich hatte ich mich von der anfänglichen Euphorie hinreißen lassen und mich gnadenlos überschätzt. Ich spielte zickzack über den gesamten Platz und brauchte teilweise so viele Schläge für ein Loch, dass es mir unangenehm war und ich hier und da nicht ganz unabsichtlich vergaß sie zu zählen.
Ein Schritt nach dem anderen
Ich hatte objektiv betrachtet nicht den Hauch einer Chance mit meinen beiden Mitspielern Schritt zu halten. Zwar trödelte ich zu keinem Zeitpunkt, trotzdem mussten wir zwischendrin sogar nachfolgende Spieler durchwinken, um nicht den gesamten Spielbetrieb aufzuhalten.
Für den langen Atem den meine Freunde bewiesen haben, bin ich ihnen noch heute dankbar. Die neun Löcher, die wir auf dem öffentlichen Kurzplatz der Golfanlage spielten, zeigten mir meinen Platz in der Golfwelt. Ich hatte gerade erst mit dem Golfspiel begonnen, hatte vielleicht etwas Talent, aber nur schemenhafte Ahnung von der richtigen Technik und keinerlei Ballgefühl. Ich würde noch viel lernen müssen, um mein Spiel so zu entwickeln, dass ich anderen Spielern auf Augenhöhe begegnen könnte.
Und jetzt?
Angst machte mir diese Tatsache erst am Anfang zu stehen nicht. Ich konnte während des Tages viel über mich lernen und kannte jetzt nach den vielen Aufs und Abs endlich meinen Stand. Ich fühlte mich geerdet und bereit loszulegen. Letztendlich kann ich mit voller Gewissheit sagen: Ich hatte richtig Lust auf Golf. Es konnte also losgehen.